Ute Scheub
Freie Journalistin und Autorin, Entwicklerin ökosozialer Projekte und Geschichten des Gelingens
Sassa Franke und Philipp Gerhardt ist mit seinem soeben erschienenen Buch „Langsames Wasser, kühlendes Grün“ ein großartiges und mutmachendes Werk gelungen. Wissenschaftlich belegt zeigt es auf, wie wir mit grüner und blauer Infrastruktur das Klima stabilisieren könnten. Allein mittels Agroforstsystemen und wasserleitenden Methoden in der Agrarwirtschaft könnten die Durchschnittstemperaturen um 1,5 bis 2 Grad gesenkt werden! Und zwar auf Mikro-, Meso- und Makroebene, also lokal, regional und global.
Diese Maßnahmen würden die Gesellschaft dabei weit weniger kosten als die zu erwartenden Schäden, wenn Extremwetter, Stürme und Ernteausfälle weiter zunehmen, oder auch die komplizierten unerprobten Technologie wie CO2-Abscheidungen.
Eine der vielen wissenschaftlichen Studien, die das Autorenteam zitiert, ist die einer US-Forschergruppe um William Barnes von 2024. Darin wird aufgezeigt, dass die eher zufällig entstandene Wiederbewaldung in einem östlichen Teil der USA zu einer Abkühlung von ein bis zwei Grad geführt hat, zu einer Art Kälteloch in einer sich erwärmenden Welt. Zwei andere Untersuchungen, durchgeführt von Teams um Christian Hildmann und Lutz Philip Hecker, beziehen sich auf den dürrebetroffenen Elbe-Elster-Kreis in Brandenburg. Sie rechnen durch, dass sich mit land-, forst- und wasserwirtschaftlichen Methoden Abkühlungen in ähnlichem Ausmaß erreichen lassen.
Dr. Philipp Gerhardt und Dr. Sassa Franke lassen es nicht bei wissenschaftlicher Expertise bewenden, sondern sind gleichzeitig selbst erfahrene Praktiker:innen. Der Forstwissenschaftler Gerhardt beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Agroforstsystemen, Acker-Gehölzstreifen und Wässerlinien (Keyline Design). Die Politikwissenschaftlerin Franke verwirklicht mit ihrem Team kühlende Klimalandschaften in Brandenburg und anderswo. Ihr Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer für einen entsprechenden Umbau der Landwirtschaft, der selbstredend zusammen mit den Landwirt:innen und nicht über ihre Köpfe hinweg durchgeführt werden sollte. Unterm Strich böte das allen Seiten nur Vorteile: gesenkte Temperaturen, weniger Wind- und Bodenerosion, weniger Dürren und Fluten, stabilere und teilweise sogar größere Ernten.
Besonders gefreut hat mich, dass das Autorenteam weitergeführt hat, was Stefan Schwarzer und ich in unserem Werk „Aufbäumen gegen die Dürre“ angefangen haben. Auch wir haben aufzuzeigen versucht, dass ein Teil des Klimawandels durch Landzerstörungen entsteht, die lokal große Hitze erzeugen. Deshalb reicht es nicht, „nur“ den CO2-Gehalt in der Atmosphäre zu senken. Um die Erde zu kühlen, muss man auch die gestörten kleinen und großen Wasserkreisläufe wieder regenerieren. Für Laien gut verständlich erklären Franke und Gerhardt die zugrunde liegenden biophysikalischen Gesetze, etwa das „Bowen-Verhältnis“ zwischen latenter und fühlbarer Wärme. Verkürzt dargestellt: Latente Wärme entsteht durch kühlende Vegetation und wird anders als fühlbare Wärme teilweise in den Weltraum zurückgestrahlt.
Das bedeutet eine große Hoffnung im Kampf gegen die Erderwärmung: Durch Begrünung und „Beblauung“ kann der Planet einen Teil der menschengemachten Klimaeffekte wieder loswerden. Möge dieses wunderbare Buch mit seinen vielen Praxisbeispielen die Entscheider in den zuständigen Behörden überzeugen!
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